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Unser Review 2013 ist online! Werkstattbegehungen und eine eigene Forschungswerkstatt beschäftigten uns. Ausblick auf 2014: Was heißt ästhetisches, was heißt wissenschaftliches Denken?zum Review

Unser Review 2013 ist online! 
Werkstattbegehungen und eine eigene Forschungswerkstatt beschäftigten uns. Ausblick auf 2014: Was heißt ästhetisches, was heißt wissenschaftliches Denken?
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Tagungsnotiz: „Das Subjektive im Objektiven – Kunst als Impulsgeber für die Wissenschaftskommunikation“

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Welche Rolle Kunst für die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft spielen kann, zeigt Saskia Frank in dieser Tagungsnotiz anhand einiger Beispiele, die im November 2013 im „Forum Wissenschaftskommunikation“ in Karlsruhe diskutiert wurden. Die Autorin ist selbst tätig im Bereich Wissenschaftsvermittlung an der TU Braunschweig.

Einmal jährlich treffen sich im „Forum Wissenschaftskommunikation“ Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich Wissenschafts-PR, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftsmarketing. Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wächst stetig – Wissenschaftskommunikation expandiert. Das Thema der Jahrestagung 2013 lautete „Fokus Zielgruppe: Wen erreicht Wissenschaftskommunikation?“.[i] Im Mittelpunkt der Tagungssessions standen innovative Ansätze, Trends und Formate. Die von Dr. Susann Beetz moderierte Session hatte das Thema „Kunst und Wissenschaft“ auf der Agenda. Eingeladen waren Referierende aus drei deutschen Institutionen, die Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft entwickelt oder betreut haben.

Gegensätze? Kunst und Wissenschaft

Susann Beetz koordiniert in der Helmholtz-Gemeinschaft die Wanderausstellung „Ideen 2020“, die Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung in Deutschland zeigt. In ihrer Einführung eröffnet Beetz den Horizont der Session und stellt Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Kunst und Wissenschaft vor: Zunächst einmal fänden wissenschaftliche Erkenntnisprozesse unabhängig eines Publikums statt, der Prozess des Forschens sei in der Regel nicht transparent. Kunst hingegen sei an ein Publikum gerichtet und lebe von der Interaktion. Auch die Wissenschafts-kommunikation wolle zielgerichtet Öffentlichkeit ansprechen, wobei die Zielorientierung im Gegensatz zur Kunst auch eher eindimensional angelegt sei.  Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst berge Chancen, aber auch Risiken, denn künstlerische Projekte könnten im positiven wie auch im negativen Sinne die Grenzen guter wissen-schaftlicher Praxis überschreiten. Dennoch könne Kunst Diskurse eröffnen, und zwar in einer Form, die  Erfahrungen und Emotionen anspreche. Allerdings sei Kunst kein Dienstleister für Wissenschaft und Kommunikation, vielmehr sei das gegenseitige Profitieren entscheidend.

Kunst und Wissenschaft: Gemeinsamkeiten

Wie die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft fruchtbar gemacht werden kann, referierte Heike Katharina Mehrtens, künstlerischer Vorstand der in Berlin ansässigen Schering-Stiftung. Mehrtens plädiert dafür, Kunst und Wissenschaft zunehmend zusammen zu denken, denn nur so könne Welt als Ganzes verstanden werden. Die Schering-Stiftung fördert vor allem Symposien und Workshops und schafft Plattformen, auf denen sich Kunst und Wissenschaft treffen. Während Beetz eher die Unterschiede betont, zeigt Mehrtens die Gemeinsamkeiten auf: Kunst und Wissenschaft erforschen alles Unbekannte und bedienen sich im Grunde ähnlicher Methoden und Experimente um zu Erkenntnissen zu gelangen.  In der Kunst sowieso und in der Wissenschaft inzwischen auch, spiele die Visualisierung eine eminente Rolle, Wissensproduktion und Wissens-vermittlung geschehe über Bilder, wobei in der Wissenschaft das Wort nach wie dominiere.

Die Schering-Stiftung schafft mit ihren Förderprogrammen finanzielle Grundlagen und ist zugleich operative Institution und ökonomisches Netzwerk. Deutlich wird an dem Beitrag von Heike Katharina Mehrtens, dass es der Schering-Stiftung vor allem um das Anstoßen von Denkprozessen geht, um das Verständnis von gesellschaftlichen Herausforderungen und um das Infrage stellen der eigenen – künstlerischen und wissenschaftlichen – Prinzipien.

Lösungsansätze für die Zukunft

Stefan Aue von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften berichtet vom Ansatz des Jahresthemas ARTEFAKTE, das 2011 und 2012 unter dem Titel WISSEN IST KUNST, KUNST IST WISSEN firmierte.  Das Jahresthema diente mit 40 Partnern und 30 Einzelprojekten der regionalen Netzwerkbildung. Die Akademie machte in ihrem Themenjahr Allianzen zwischen Kunst und Wissenschaft möglich, um Fragen der Zukunft aufzuwerfen und Lösungsansätze vorzustellen. Dabei ging es um die Zusammenführung von Kunst und Wissenschaft sowohl im theoretischen Diskurs als auch in konkreten Projekten wie zum Beispiel dem „Syntopischen Salon“. Mit neuen dynamischen Formaten, die Rollenbildern, Denkstilen und Konventionen nachgehen, könnten, so Aue, gesellschaftliche Problemfelder identifiziert werden.

So viele Gemeinsamkeiten die von Mehrtens und Aue vorgebrachten Beispiele auch vermuten lassen, so sehr positionieren sich beide Vortragende auch unterschiedlich. Auf der einen Seite zeigen die dargestellten Projekte der Schering-Stiftung die Sicht auf Kunst und Wissenschaft selbst, so dass die Schnittstellen-Projekte zu einem Erfahrungsraum für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden. Auf der anderen Seite geht die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit ihren interkulturellen und interdisziplinären Formaten in den öffentlichen Raum und sucht durch die Entstehung des momenthaftigen Neuen nach Ansätzen, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Öffentlichkeitsarbeit und institutionelle Grenzen

Während sich die Schering-Stiftung und die Berlin–Brandenburgische Akademie der Wissenschaften explizit die Förderung von­­ Kunst/Wissenschafts-Projekten auf die Fahnen schreiben, stellt der dritte Referent Andreas Schütz vor, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Kunstprojekte in seine Öffentlichkeitsarbeit  integriert. Die Förderung von Kunstprojekten gehöre normalerweise nicht zu den Aufgaben einer Forschungseinrichtung. Dennoch kämen Anfragen von Verlagen und Filmproduktionsfirmen, in denen Luft- und Raumfahrt eine Rolle spielen. Schütz sieht in der Beratung dieser Projekte eine gute Möglichkeit, Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Wissenschaft zu betreiben, da beispielsweise mit Science Fiction-Büchern und -Filmen neue Zielgruppen erreicht werden können, die im ersten Schritt weniger wissenschaftsaffin sind.  Auch mit der – hauptsächlich ideellen – Unterstützung von Kunstprojekten im engeren Sinne könnten neue Horizonte der Öffentlichkeitsarbeit eröffnet werden. In der Folge entstehen größere Gemeinschaftsprojekte, wie zum Beispiel die Ausstellung OUTER SPACE. DER WELTRAUM ZWISCHEN KUNST UND WISSENSCHAFT, die in der Bundeskunsthalle Bonn in Zusammenarbeit mit dem DLR im Oktober 2014 eröffnet wird.

Öffentlichkeitsarbeit an deutschen Wissenschaftseinrichtungen ist institutionellen Regeln unterworfen, und nur persönlicher Einsatz und eine Portion Idealismus können helfen, die bürokratischen Hürden zu überwinden. Damit die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft überhaupt erst möglich werden kann, sind strukturelle und ökonomische Grundlagen nötig. Es bedarf hierfür langfristige Förderungen und vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die neuen thematischen Zugängen offen gegenüber stehen. 

Breitenwirksamkeit?

Die Referentinnen und Referenten haben auf eindrucksvolle Weise gezeigt, welche Vielfalt an Formaten es bereits an der Schnittstelle Kunst und Wissenschaft gibt. Allerdings bleiben die meisten angesprochenen Projekte Teil des Wissenschaftsbetriebs. Wenn aber die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft gesellschaftlich wirken soll – sei es, weil disziplinäre Grenzen gesprengt werden müssen oder kreative Lösungen für aktuelle Probleme gesucht werden, dann wäre eine weitere Verbreitung zielführend. 

Wie diese Projekte breitenwirksam werden können, blieb in dieser Session offen. Wen erreichen solche Projekte? Wie können weitere Zielgruppen teilhaben? Auf welche Weise können  neue Ideen gesellschaftlich verankert werden? Susann Beetz hat in ihrer Einführung von der Eindimensionalität gesprochen: Wenn aus der Ein-Weg-Kommunikation eine netzartige Kommunikation entstehen würde, dann hätten auch kreative Ideen aus der Öffentlichkeit Chancen, Wissenschaft zu bereichern. Wissenschaft ist Teil der Gesellschaft und nur durch ein soziales Wechselspiel von Beidem kann Neuartiges produziert werden.

Bleibt  die Vermittlung von Wissen  eine eindimensional orientierte Veranstaltung, so ist gesellschaftliche Teilhabe nur bedingt möglich. Die Formatentwicklung an der Schnittstelle Kunst/Wissenschaft wäre eine lohnende Aufgabe für die noch junge Disziplin „Wissenschaftskommunikation“. Dafür wären interaktive Formate sinnvoll, die das Forschen auch von Nichtwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern  möglich machen.  Als Stichwort wäre hier künstlerische Forschung zu nennen. Ein wesentlicher Aspekt der künstlerischen Forschung ist nicht die Vermittlung von Wissen, sondern die Entstehung desselben. Folglich könnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch vom Wissen der Öffentlichkeit profitieren und darauf aufbauend ihre Forschungsfragen neu denken.

Rolle der Wissenschaftskommunikation?

Aus dieser Perspektive würde sich automatisch die Rolle von Wissenschaftskommunikation ändern.  Zu diesen in der Session vorgestellten Kunst/Wissenschafts-Projekten müssten Kommunikationsstrukturen aufgebaut werden, die öffentliche Teilhabe ermöglichen. Die Session hat nicht zuletzt deutlich gemacht, dass sich die deutsche Wissenschaftskommunikation an einem Punkt befindet, an dem sie sich überhaupt erst einmal positionieren muss - weg vom produktorientierten Denken hin zu einer prozessualen Kommunikation auf Augenhöhe mit der Öffentlichkeit in all ihren Schattierungen und Bezügen. Kunst ist also weniger als Impulsgeber für Wissenschaft zu verstehen, sondern eher als Vorbild für Kommunikationsformate, die sich nicht nur auf das akademische Klientel beziehen.

Hierfür wäre allerdings ein weiter Kunstbegriff nötig, der weniger auf das künstlerische  Produkt abzielt, sondern generell kreative Prozesse, ihre Ausdrucksformen und Techniken einbezieht (Theater, Performances, Alltags- und Popkultur, Design, neue und soziale Medien), um das Mitmachen und Teilhaben in einer innovativen Gesellschaft zu ermöglichen. Eine der Hauptaufgabe von Wissenschaftskommunikation wäre, weniger eine vermittelnde Funktion, sondern vor allem eine aktive Position einzunehmen. Wissenschaftskommunikation definiert dann die Ziele und Zielgruppen, schafft Aufmerksamkeit, entwickelt das Profil einer Institution, erkennt und formuliert Botschaften und spricht nicht zuletzt direkt und differenziert die Öffentlichkeit an. Wissenschaft und Öffentlichkeit sind in diesem Sinne als gleichwertige Partner aufzufassen.  Hierfür muss Wissenschaftskommunikation das Rad nicht neu zu erfinden, denn im Kulturbereich wird bereits seit den 1970-er Jahren „Kultur für alle“ gefordert und umgesetzt.  Kunst und Kultur sind seit damals nahbarer geworden, davon sprechen nicht zuletzt auch die Besuchsstatistiken von Ausstellungen: Museen zählten für 2012 über 112 Millionen Besucherinnen und Besucher.

Vor diesem Hintergrund ist die Schnittstelle Kunst/Wissenschaft multiperspektivisch zu betrachten: Erstens wäre die zunehmende Förderung von Projekten als introspektiver Erfahrungsraum für Kunst und Wissenschaft wünschenswert. Zweitens: Künstlerische und kulturelle Formate sollten langfristig Standard in der Wissenschaftskommunikation werden.  Drittens: Wissenschaftskommunikation ist als Prozess aufzufassen, der differenziert innerhalb und außerhalb der Institutionen wirkt. Eine Folge dieser Gedanken wäre auch, dass solchen Sessions nicht der Charakter einer „Orchidee“  anhaftet, sondern dass diese Ansätze elementarer Teil von Tagungen wie dem Forum Wissenschaftskommunikation wären, denn die Session war eine der ertragreichsten auf der Konferenz.



[i] 6. Forum Wissenschaftskommunikation: „Fokus Zielgruppe – Wen erreicht Wissenschaftskommunikation?“ 11. bis 13. November, Messe- und Kongresszentrum Karlsruhe. http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/forum/forum-2013.html

ANGELOMETRIE
a sound performance on the acoustic articulation of shapes of silence and the measurement of sound, movement and image of a fallen angel
by Tamara Rettenmund & Johannes Bennke (kunstwissenkollision) et al. 
 
http://angelometrie.tumblr.com
16/08/2013
ETI Schauspielschule (Theatersaal) Rungestr. 20 10179 Berlin Nähe S/U-Bhf Jannowitzbrücke

ANGELOMETRIE

a sound performance on the acoustic articulation of shapes of silence and the measurement of sound, movement and image of a fallen angel

by Tamara Rettenmund & Johannes Bennke (kunstwissenkollision) et al. 

 

http://angelometrie.tumblr.com

16/08/2013

ETI Schauspielschule (Theatersaal)

Rungestr. 20

10179 Berlin

Nähe S/U-Bhf Jannowitzbrücke


STOFF[WECHSEL]. Eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt
12.09.-15.09.2013 in Könnern bei Halle (Saale)
veranstaltet von der AG Künste und Wissenschaften im Ev. Studienwerks e.V. Villigst
Die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften richtet für vier Tage eine Villa mit Garten, Kaffee-Wohnwagen und mobilen Arbeitskisten ein, um nebeneinander zum Thema STOFF[WECHSEL] zu arbeiten (zum Rundgang durch die Villa). Wir möchten in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung den individuellen Forschungsprozess innerhalb der je eigenen Disziplin fördern, die eigene Herangehensweise zur Entfaltung kommen lassen und diese wiederum unter Beobachtung stellen. Diese Spannung zwischen Prozess und Beobachtung, Generierung und Intervention, Entwicklung und Dokumentation ermöglicht die Forschung über individuelle Praktiken. Es geht in der Forschungswerkstatt nicht darum, was produziert wird, sondern wie vorgegangen wurde. Im Laufe des Workshops dokumentieren alle Teilnehmenden ihre Arbeitsmethodiken, um am Ende Einsicht in ihren Arbeitsprozess zu geben.
Der Teilnahmebetrag beträgt 110,00€ (inkl. Unterbringung, Verpflegung, Basismaterialien).
Anmeldeschluss (15 Plätze): 3. September 2013
Anmeldung und Fragen zum Workshop bitte per Mail an: kuenstewissenschaften [a t] gmail [d o t] com
Bitte achte darauf, dass Deine Anmeldung folgendes beinhaltet:
 - ausgefüllter Anmeldebogen: http://bit.ly/15Z2yzP
 - ein Foto von Dir als separat angehängtes JPEG
 - eine schriftliche Skizze Deines Forschungsvorhabens in 5 Sätzen
Fotos von unserer Interdisziplinären Werkstattbegehung im Juni: http://bit.ly/12wAF2N
Vielen Dank für Dein Interesse.
Birgit Behrisch, Johannes Bennke, Annika Haas, Rasa Weber, Natascha Krüning

STOFF[WECHSEL]. Eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt

12.09.-15.09.2013 in Könnern bei Halle (Saale)

veranstaltet von der AG Künste und Wissenschaften im Ev. Studienwerks e.V. Villigst

Die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften richtet für vier Tage eine Villa mit Garten, Kaffee-Wohnwagen und mobilen Arbeitskisten ein, um nebeneinander zum Thema STOFF[WECHSEL] zu arbeiten (zum Rundgang durch die Villa). Wir möchten in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung den individuellen Forschungsprozess innerhalb der je eigenen Disziplin fördern, die eigene Herangehensweise zur Entfaltung kommen lassen und diese wiederum unter Beobachtung stellen. Diese Spannung zwischen Prozess und Beobachtung, Generierung und Intervention, Entwicklung und Dokumentation ermöglicht die Forschung über individuelle Praktiken. Es geht in der Forschungswerkstatt nicht darum, was produziert wird, sondern wie vorgegangen wurde. Im Laufe des Workshops dokumentieren alle Teilnehmenden ihre Arbeitsmethodiken, um am Ende Einsicht in ihren Arbeitsprozess zu geben.

Der Teilnahmebetrag beträgt 110,00€ (inkl. Unterbringung, Verpflegung, Basismaterialien).

Anmeldeschluss (15 Plätze): 3. September 2013

Anmeldung und Fragen zum Workshop bitte per Mail an: kuenstewissenschaften [a t] gmail [d o t] com

Bitte achte darauf, dass Deine Anmeldung folgendes beinhaltet:

- ausgefüllter Anmeldebogen: http://bit.ly/15Z2yzP

- ein Foto von Dir als separat angehängtes JPEG

- eine schriftliche Skizze Deines Forschungsvorhabens in 5 Sätzen

Fotos von unserer Interdisziplinären Werkstattbegehung im Juni: http://bit.ly/12wAF2N

Vielen Dank für Dein Interesse.

Birgit Behrisch, Johannes Bennke, Annika Haas, Rasa Weber, Natascha Krüning

STOFF[WECHSEL]

Workshopteaser von Rasa Weber

…eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt

weitere Eindrücke von unseren (Raum)Planungssession in Berlin und einer ersten Begehung der attac Villa in Könnern bei Halle (Saale).

»zum virtuellen Rundgang 

Fotos&Rundgang: Johannes Bennke

Interdisziplinäre Werkstattbegehungen der AG Künste und Wissenschaften

27. bis 29. Juni 2013

in Potsdam und Berlin

Im Juni traf sich die Arbeitsgemeinschaft zum zweiten Mal in diesem Jahr um ihre Forschungswerkstatt im September zu planen. Im Spannungsfeld von Prozess und Produkt – zwei Aspekte, die aus unserer Sicht in den Künsten und verschiedenen Wissenschaften jeweils unterschiedlich stark Herangehensweisen, Praktiken und das Denken charakterisieren – besuchten wir verschiedene Orte sogenannter interdisziplinärer Zusammenarbeit und Forschung. Mit Jörn Köppler kamen wir ins Gespräch über seinen Zugang zu Architektur, Philosophie und Poesie. Thomas Lilge gab uns Einblicke in das kürzlich eröffnete Interdisziplinäre Labor der Humboldt Universität. Mit Ulrich Weinberg führten wir im Anschluss an die Besichtigung der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts ein Gespräch über die Grenzen und Möglichkeiten dieser Methode. Beiträge von Johannes Bennke zu Problematiken rund um die Begriffe künstlerische Forschung, Erinnern, Vergessen, Produkt und Prozess trugen wie ein Bericht von Annika Haas über ihren Aufenthalt am Culture Lab Newcastle sowie ein Workshop mit Claire Luzia Leifert und Birga Schlottmann zur Konkretion und Planung der Forschungswerkstatt bei. 


Fotos: Johannes Bennke

Vom 27. – 29. Juni 2013 trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften zur Planung ihrer diesjährigen Forschungswerkstatt in Potsdam und Berlin. Ein erstes Konzept dafür wurde bereits im März verfasst. Nun möchten wir dazu Expertisen einholen. Vor diesem Hintergrund fragen wir:
Welche  Erwartungen  knüpfen  sich  an  interdisziplinäres  Forschen?  In welchen Räumen und Formaten findet diese Zusammenarbeit statt?  Wie nehmen die Methoden unterschiedlicher Disziplinen und Künste Einfluss auf Fragen und Ergebnisse solcher Institutionen und Verbünde? Welche Rolle spielt prozess-, welche produktorientiertes Arbeiten?
Neben den Werkstattbegehungen werden wir Expertenespräche führen, kurze Inputs von AG Mitgliedern bekommen und in Arbeitsphasen das Konzept für die Forschungswerkstatt schärfen. 
Wie soll eine Werkstatt aussehen, in der verschiedene Disziplinen gleichzeitig am Werk sind? Welche Ausstattung benötigt sie? Kann und soll es dafür Regeln geben? Und: Wozu wollen wir arbeiten?
KÖRPER  - Ausgangspunkt unserer Weltwahrnehmung und –gestaltung  -  war 2012 bereits Thema eines AG Workshops und soll nun einen Korrelationsbegriff X bekommen. Davon ausgehend sollen die Teilnehmenden im September mit einem kleinen Vorhaben in die Forschungswerkstatt kommen. Diese Skizzen werden dann vor Ort wiederum herausgefordert von einem bis zuletzt unbekannten Gegenstand (Begriff, Objekt, Text etc.), mit dem dann gearbeitet werden soll. Das Fokussieren auf die eigenen Praktiken und ein Arbeiten in Juxtaposition werden als erste Schritte hinsichtlich einer Interdisziplinarität verstanden, die auch die Künste einschließt. 

Organisation: Birgit Behrisch, Natascha Krüning, Rasa Weber, 
Johannes Bennke, Annika Haas
Anmeldung: annikahaas [at] web [dot] de

Programmauszug
DONNERSTAG, 27.06.2013
Café Elflein, Potsdam
17:00 Uhr Gespräch mit Jörn Köppler zum Verhältnis von Architektur und Körper
moderiert und kommentiert von Johannes Bennke
siehe: http://www.koeppler-tuerk.de/

FREITAG, 28.06.2013
Bild. Wissen. Gestaltung.
Interdisziplinäres Labor der Humboldt Universität zu Berlin
Beginn 10:00  |  Gespräch mit Thomas Lilge zum Prozessorientierten Denken
begleitet von einem Input zum Prozess- und produktorientierten Denken von Johannes Bennke
siehe: https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/

Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH, Potsdam
15:00 Uhr  Führung durch das HPI und zur School of Design Thinking mit Heike Balluneit und evtl. Prof. Ulrich Weinberg
siehe: http://www.hpi.uni-potsdam.de/studium/d_school.html

Samstag, 29.06.2013
menschen formen e.V. , Berlin
Beginn 10:30 Uhr | Culture Lab Newcastle – Beobachtungen von Annika Haas
siehe: http://dm.ncl.ac.uk/blog/category/projects/
14:30 Gespräch mit Sophia Pompéry über Olafúr Eliassons Institut für Raumexperimente und ihre künstlerische Arbeit
moderiert von Annika Haas
siehe: http://www.sophiapompery.de/
http://www.raumexperimente.net/

Vom 27. – 29. Juni 2013 trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften zur Planung ihrer diesjährigen Forschungswerkstatt in Potsdam und Berlin. Ein erstes Konzept dafür wurde bereits im März verfasst. Nun möchten wir dazu Expertisen einholen. Vor diesem Hintergrund fragen wir:

Welche  Erwartungen  knüpfen  sich  an  interdisziplinäres  Forschen?  In welchen Räumen und Formaten findet diese Zusammenarbeit statt?  Wie nehmen die Methoden unterschiedlicher Disziplinen und Künste Einfluss auf Fragen und Ergebnisse solcher Institutionen und Verbünde? Welche Rolle spielt prozess-, welche produktorientiertes Arbeiten?

Neben den Werkstattbegehungen werden wir Expertenespräche führen, kurze Inputs von AG Mitgliedern bekommen und in Arbeitsphasen das Konzept für die Forschungswerkstatt schärfen. 

Wie soll eine Werkstatt aussehen, in der verschiedene Disziplinen gleichzeitig am Werk sind? Welche Ausstattung benötigt sie? Kann und soll es dafür Regeln geben? Und: Wozu wollen wir arbeiten?

KÖRPER  - Ausgangspunkt unserer Weltwahrnehmung und –gestaltung  -  war 2012 bereits Thema eines AG Workshops und soll nun einen Korrelationsbegriff X bekommen. Davon ausgehend sollen die Teilnehmenden im September mit einem kleinen Vorhaben in die Forschungswerkstatt kommen. Diese Skizzen werden dann vor Ort wiederum herausgefordert von einem bis zuletzt unbekannten Gegenstand (Begriff, Objekt, Text etc.), mit dem dann gearbeitet werden soll. Das Fokussieren auf die eigenen Praktiken und ein Arbeiten in Juxtaposition werden als erste Schritte hinsichtlich einer Interdisziplinarität verstanden, die auch die Künste einschließt. 

Organisation: Birgit Behrisch, Natascha Krüning, Rasa Weber, 

Johannes Bennke, Annika Haas


Anmeldung: annikahaas [at] web [dot] de

Programmauszug

DONNERSTAG, 27.06.2013

Café Elflein, Potsdam

17:00 Uhr Gespräch mit Jörn Köppler zum Verhältnis von Architektur und Körper

moderiert und kommentiert von Johannes Bennke

siehe: http://www.koeppler-tuerk.de/

FREITAG, 28.06.2013

Bild. Wissen. Gestaltung.

Interdisziplinäres Labor der Humboldt Universität zu Berlin

Beginn 10:00  |  Gespräch mit Thomas Lilge zum Prozessorientierten Denken

begleitet von einem Input zum Prozess- und produktorientierten Denken von Johannes Bennke

siehe: https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/

Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH, Potsdam

15:00 Uhr  Führung durch das HPI und zur School of Design Thinking mit Heike Balluneit und evtl. Prof. Ulrich Weinberg

siehe: http://www.hpi.uni-potsdam.de/studium/d_school.html

Samstag, 29.06.2013

menschen formen e.V. , Berlin

Beginn 10:30 Uhr | Culture Lab Newcastle – Beobachtungen von Annika Haas

siehe: http://dm.ncl.ac.uk/blog/category/projects/

14:30 Gespräch mit Sophia Pompéry über Olafúr Eliassons Institut für Raumexperimente und ihre künstlerische Arbeit

moderiert von Annika Haas

siehe: http://www.sophiapompery.de/

http://www.raumexperimente.net/

Tagungsnotiz: Performance Philosophy. Staging a new field.

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Von Johannes Bennke


Ohne Zweifel nimmt das Performative im akademischen wie kunstkritischen Diskurs eine derzeit entscheidende Stelle ein. Es wäre keine Übertreibung anzunehmen, dass sich alles, in Wissenschaft, Kunst und Ökonomie (um nur drei sehr prominente institutionalisierte Bereiche zu nennen), auf diesen einen Begriff beziehen lässt. An diesem erfahren jene disparaten Gebiete ihre höchste Verdichtung; ein Begriff, der zugleich entlang einer Fluchtlinie auf ein inneres Zentrum einer Glut verweist, in deren Hitze alles evaporiert. Eine produktiv-schöpferische Leerstelle, deren paradoxe Existenz vor allem in einer Forderung besteht, in einer Ethik.

„Dieser Anspruch, diese Forderung verlangt, dass wiederholt werde, was nicht statt gehabt hat, dass der Nichtort, die Unstatt oder die Nichtpräsenz jedes Ursprungs, jeder Substanz, jedes Subjekts, auf die einzige Weise bejaht, behauptet und bekräftigt, also affirmiert wird, die möglich ist: nämlich in einer nomadischen Affirmation.” [1]


Dieses Zitat von Jean-Luc Nancy zeugt von der Schwierigkeit dieses immanente „Jenseits des Sinns rückhaltlos zu seinem Recht kommen zu lassen“. Eine Begriffsschwierigkeit einer Benennung des Unnennbaren, das performative Paradox (oder: das paradoxe Performative) dieses Nicht-Ortes oder den Außerhalb-Ort, den Schwellenort des Übergangs, der nie vorüber ist. Diese paradoxe Dialektik löst sich in ein produktives Verhältnis auf. Es ist jener kafkaeske Moment auf einer architektonisch verorteten Ethik eines zögernden Blicks auf einer Brücke zu Beginn des Schloss-Romans:

„Es war spät abend als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehn, Nebel und Finsternis umgaben ihn, und auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führt und blickte in die scheinbare Leere empor.“ [2]

Mit dem Beginn der doppelten Reise (des Protagonisten und des Lesens) wird jene Brücke zur Dorfschwelle, auf der das Betreten sich als Zögern artikuliert. Der Roman beginnt mit einem Stillstand. Man könnte dies als akademisch eigenwillige Interpretation deuten, bei der ein Zögern im Anfang zu einem mächtigen Theoriegebäude aufgebläht wird, wodurch die (Literatur-) Theorie oder die philosophisch inspirierte Kunstkritik sich den Vorwurf ausgesetzt sähe, ein unnötig verkomplizierendes Sperenzchen durchzuführen, um sich selbst zu legitimieren. Ein Vorwurf, bei dem sich Künstler wie Akademiker nicht viel nehmen. Nur kann dieser Vorwurf als Frage an eben jene rein pragmatisch orientierten zurückgegeben werden: „Was liegt dem aktiv Handelnden zugrunde und mit welchem Recht wird dieses Zögern übergangen?“ Man könnte auch noch nachsetzen: „Was performt jene empirische Wissenschaft als soziale Praxis, wie setzt sie uns mit  Welt in Verbindung und was bewirkt sie damit?“

In jener „nomadischen Affirmation“ liegt eine Forschungsbewegung und Praktik, deren Schreibspur von einem Sowohl-als-auch zeugt, einer Fiktion der Gleichzeitigkeit verschiedener, aber möglicher Gegenwartswelten - sowohl die eine Welt ist möglich, als auch die andere Entscheidung, die zu einer anderen Welt führt. Souverän und erfinderisch balanciert man die einzelnen Möglichkeiten ab. Und mit welchem Recht ist der Realitätsgehalt verschiedener Möglichkeiten in Frage zu stellen? Mit dieser Schwellenkunde des Sowohl-als-auch umwandert die (künstlerisch-wissenschaftliche-etc.) Praktik in einer sich entfernenden Annäherung einen neutralen Ort des Weder-das-Eine-noch-das-Andere. Ein performativ sich einstellender, zukommender Ort des Medialen. Ein punktueller, immer wieder aufgesuchter, doch nie erreichbarer Zwischenort, ein entfleuchender Transitort. Bemerkenswert an diesen Überlegungen ist die nicht-zufällige Koinzidenz einer disziplinübergreifenden Erfahrung: man ist in eine nicht-empirische Erfahrung eingebunden. Was heißt das?

Auf der Tagung „Performance Philosophy. Staging a new field“ an der University of Surrey in Guildford (ein äußerst langweiliges Mittelklasse-Städtchen, in dem viele Londoner Pendler wohnen, und deren Töchter sich am Wochenende in pinken Miniröckchen im Mamboclub vergnügen) übernahm der Titel eine heuristische Funktion und versammelte unter seinem Dach Künstler_innen wie Akademiker_innen vor allem aus den Geisteswissenschaften. Die Benennung einer nicht-empirischen Erfahrung ist nur unter äußerster Gefahr einer Verallgemeinerung jener Performance-Kunst zu haben. Es geht gar nicht ohne diese Gefahr, deren produktives Moment aber gerade darin besteht etwas von der Vielfalt dieser nicht-empirischen Erfahrung spürbar zu machen. Es geht – so meine These - um die Herstellung einer intensiven Spannung, die nur ganz bestimmte Konstellationen ermöglichen, und die sich von dem Zwang befreit hat ihr Ziel in einer ökonomischen Optimierung zu suchen. Der Begriff des Ökonomischen selbst verändert sich unter diesen Praktiken, Wissen wird zugunsten des Prozesses und der Praktik zweitrangig. Es geht um ein Offenhalten der Öffnung zu Möglichkeiten. Man forscht mit dem Körper und seinem Vermögen.

Wenn der Untertitel „Staging a new field“ auf eine topologische Erschließung oder Sichtbarmachung aus ist, so löst dies den akademischen Reflex aus, eben jenes „field“ mit Kategorien zu verminen, die in ihrem Territorialgestus mit Funktionen, Dimensionen und Attributen zu kolonisieren versuchen, was sich eben dieser Kartographie entzieht. Das Feld des Neutralen ist kein Südpol, auf dem man sein Fähnchen wehen lassen könnte, um dann mit einem Beweisfoto seine abenteurlustige Forschernatur unter Beweis gestellt zu haben. Es ist lediglich – und das ist nicht wenig - ein nomadisches Wandern möglich, deren Annäherung sich zugleich in eine Abgrenzungspraktik hineinbegibt, deren zentraler Modus das Mediale ist, durch das es erst in Erscheinung treten kann.

Die poetische Dimension und zugleich ethische Forderung, wenn nicht Verpflichtung, liegt eben darin, zuzulassen, dass ein Bereich sich einer systematischen Erschließung widersetzt und eben dadurch ein ungeheures kreatives Potential freisetzt. Die individuellen Zugänge werden zu Übergängen, die spürbar machen, was Jenseits des Sinns liegt, aber weder transzdendental (also dem reinen Subjekt zugehört) noch transzendent (also der Erfahrung des Jenseits selbst) ist. Es ist ein diesseitiger Sinn Jenseits des Sinns. Eine Wiederholung dessen, was nicht statt gehabt hat. Die empirischen Erfahrung ist unzugänglich, lässt sich aber in eine ästhetische Fiktion kanalisieren. Sie kann in dieser sich medial entfernenden Annäherung eben jene Spannung spürbar machen, deren Zeuge man gewesen ist.

Jener Zeuge, der durch etwas Erlebtes durchgegangen ist und in traumatischer Bindung und in Freundschaft an die/das Opfer nicht darüber spricht, sondern zu ihnen/ihm spricht und ihren Resonanzraum in die Fiktion trägt. Völlig verkennen tut man diese Praktik, wenn man sie als blos pathologisch abtut. Überhaupt die Pathologie, die so eng mit einem Normenverständnis des Gesunden verbunden ist, dass sich darin auch ästhetische Praktiken, denen man ja gerne Freiheit an sich attestiert, haben gefangen nehmen lassen. Das Erlebte wird zu einem Faktum, Erfahrung und Faktum fallen zusammen, werden ästhetisch und stellen sich in ein Erbe einer Wahrnehmbarkeit von Wahrnehmung. In einer kritisch, reflektierten Distanz zu Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft wird die Fähigkeit JA zu sagen, erprobt. `Ja, aber nun ist es anders.´ Die umfassende Halluzination eines real Erlebten findet sich in einem melancholischen Weltbezug wieder, der vom Schmerz nicht lassen mag, ihn gar zum Anlass ästhetischer Produktion nimmt. Die Devianz des Ästhetischen als spürbarer reiner a-subjektiver Bewusstseinsstrom, der notwendigerweise & performativ Differenzen produziert. Mitunter bedeutet dies eine Höllenpraxis für den Zuschauer, der ohnehin ob seiner (bürgerlichen) Moral und seines Wissens und Denkstils verdächtig ist.

So ließen sich die historischen Genealogien von Theater und Philosophie auf ihre unterschiedlichen Ursprünge hin perspektivieren und die aufkeimende Lücke zwischen den beiden institutionalisierten Disziplinen als produktive Leerstelle stark machen. Mind the gap. Es gibt gute Gründe für eine solche Trennung, in der sich das Theater von der Philosophie inspiriert sieht (Brecht, Artaud, Beckett, Camus, etc.) und umgekehrt die Philosophie vom Theater Konzepte entwickelt hat (Platon, Bergson, Adorno, Deleuze, Cavell, Badiou). Schaut man genauer oder einfach anders hin, so geht diese krude Oppositionsstellung nur unter dem Einkauf eines repräsentativen Verständnisses von Theater und Philosophie auf, wie es sich innnerhalb der Akademie ausgebildet hat. Man ist berechtigt den Verdacht eines Kategorienfehlers zu haben: wenn Performance Philosophy ein „neues Feld“ suggeriert, wieso bedient man sich dann gerade der instituationalisierten Varianten und grenzt sie durch eine Verhältnisbestimmung voneinander ab? Zumal Beckett: ist nicht gerade unter seiner Autorschaft Theater und Philosophie untrennbar zusammengefallen, sodass die Werke als eigenständige Denkpraxis im Bühnenraum auftreten? Wie möchte man allein in diesem Falle entscheiden – und Singularitäten sind hier nicht Ausnahmen der Regel, sondern ein Beispiel für die Möglichkeit einer Zusammenkunft, eines close encounters von Theater und Philosophie. Wenn man überhaupt davon sprechen kann, dass eine Singularität etwas exemplifizieren kann, dann, dass sie die Möglichkeit zeigt, dass etwas anderes möglich ist, als ein dialektisches Denkschema.

Schauen wir uns den Titel noch einmal genauer an: Performance Philosophy. Die Syntax ist klar: zwei Nomen in Reihe durch keine Partikel verbunden. Sie stehen nebeneinander; man mag eine Hierarchie durch die Sukzession vermuten und der syntaktischen Stellung von Performance wie (auch im Englischen) üblich eine adjektive Funktion geben. Jedoch heißt der Titel ja nicht „performative philosophy“, zumal dann die Frage wäre, was die umgekehrte Variante „philosophical performance“ in Abgrenzung dazu sein soll? Und was bedeutet es zum Einen der Philosophie performative Qualitäten beizugesellen und zum Anderen die Performance philosophisch zu sättigen? Ist sie das schon oder soll sie es erst werden? Spielt sich dann Philosophie nur in der Sprache ab? Auch ein dialektischer Tausch in „Philosophy Performance“ macht es nicht durchsichtiger, es klingt ein wenig stelziger. Was bleibt sind zwei Nomen, deren Verhältnis ungeklärt ist.

In einem Band, der sich unter anderem Schwerpunkt, einem ähnlichen Problem stellt, ist die ungewisse Verhältnisbestimmung zu einem produktiven Moment geworden, der sich gleichwohl als akademischer Diskurs niedergeschlagen hat: „Ästhetik x Dispositiv“ [3]. The philosophy of the X. Dieses x markiert keine Leerstelle, keinen Zwischenraum zwischen zwei disparaten Bereichen, sondern versucht eher den syntaktischen Zwang der Reihung auszuhebeln und keine übergreifende Theorie oder Praktik zu erarbeiten, sondern mannigfaltige Verhältnisse und Verbindungen herzustellen. In einem kühnen Bogen ließe sich das Dispositiv mit der Philosophie analogisch verbinden, wenn damit Erfahrungsfelder gemeint sind, die ein Netz von Beziehungen charakterisieren, das nicht objektivierbar ist und eher die Art und Weise bezeichnet, wie sich Dinge, Praktiken, Beziehungen usw. in der Zeit und durch die Zeit ergeben und versammeln. Gleichwohl, und darin unterscheiden sich Philosophie und Dispositiv, erlaubt erst die Philosophie ein Bewusstsein vom Dispositiv, solange es nicht selbst dessen Teil ist. Im Schwung des gleichen kühnen Bogens versammeln sich auch Ästhetik und Performance zusammen, insofern mit Ästhetik die Formung der Existenz und des Subjekts gemeint ist. Damit wird ein Prozess gemeint, in dem man sich selbst aktiv verändert.

„Wenn das Dispositiv einen Subjektivierungsprozess voraussetzt und produziert, in dem das Subjekt aus dem Dispositiv hervorgeht wie ein Kind aus seiner Zeit, müssen wir von dieser Subjektivierung, von dieser Form von Sozialisierung, einen ganz anderen Prozess unterscheiden, den wir als Ästhetisierung bezeichnen können. Dabei handelt es sich um einen individuellen/subjektiven Vorgang und nicht um eine vom Dispositiv aufgezwungene Lebensform. Es handelt sich um Schöpfungen, um persönliche Stile, die sich normativ auf die ganze Gesellschaft ausdehnen können.“ [4]

So hat denn die Performance Philosophy eine immanent politische Bedeutung. Und hier von Sinn und Bedeutung zu sprechen hat genau dort seinen Ort, wo es um eben jene Sphäre des Politischen geht, die uns an Erfahrungen teilhaben lässt, die uns herausfordern und nicht einfach vom Tisch weggefegt werden können. Eine philosophisch inspirierte Kunstkritik fungiert zwar als Orientierung gebendes, textuelles Verfahren, fügt dem Kunstwerk aber nicht einen beliebigen Paratext hinzu, sondern versucht sich an einer Begegnung mit dem Kunstwerk. Ein Begegnungstext, bei dem etwas mit dem Schreibenden passiert und im besten Falle auch dem Lesenden. Eine gute Kunstkritik denkt mögliche Begegnungen mit, kehrt eine zentrale Idee bzw. ein Konzept heraus und begegnet idealerweise offen der Offenheit jenes Kunstwerks und lässt es zu, dass man davon berührt werden mag (vorausgesetzt man möchte verändert werden). Es geht in einer historisch ausgreifenden Geste auch um die Befragung von Genealogien. Woher kommen die Bedingungen, auf deren Basis wir unser Wissen, unsere Thesen und Annahmen über oder von der Welt artikulieren? Was sind die Funktionen dieser dominanten Varianten dieser Weltbezüge und was machen sie mit unserem In-der-Welt-sein? Welche Methoden verwendet die Wissenschaft? Welche kulturellen Praktiken verändern uns durch ihre Wissensbildung?

Es geht um ein Körperdenken und die Frage wie eine nicht-represseive Gemeinschaft gedacht werden kann? Wie kann eine Gesellschaft praktiziert werden, in der das Individuum nicht als Störfaktor in einer Massengesellschaft wahrgenommen wird, sondern als produktives Mitglied, das nicht notwendigerweise auf Integration aus sein muss? Welche Praktiken führen hierbei zu der Wahrnehmung einer solchen Wissensproduktion, die eine ganz andere ist, als die ökonomisch wertvolle? Ist denn die freudsche Analyse nicht eine sehr erfindungsreiche Variante des Dialogs, mit der er die „menschliche Kultur“ um eine überraschende Form bereichert hat, wie Maurice Blanchot an einer Stelle über „Das analytische Sprechen“ bemerkt? Und mit welcher Technologie des Selbst wird hier eigentlich welches Wissen produziert? Es bedarf in diesem Feld einer Revision des Arbeitsbegriffs: im zeitgenössischen Zwang zu Strategien der Selbstoptimierung (man muss sich ja schließlich gut verkaufen können) geht es um die Freiheit NEIN zu diesen Subjektivierungsformen zu sagen und mit diesem NEIN erfinderisch umzugehen. Das ist weder angenehm, noch besonders erquicklich, ja geradezu schmerzlich und herausfordernd. Aber das ist das JA auch, nur das hierbei (zumeist) die individuelle kreative Praxis mit einkassiert wird.

So differenziert sich innerhalb der Theaterwissenschaft eine eigene Forschungsrichtung heraus, die sich auch nochmals von der Tanzwissenschaft abgrenzt: die Choreographie. Vielleicht ist die Dramaturgie ein Körperdenken spürbar zu machen, dasjenige, als das sich Choreographie vielleicht beschreiben ließe (und sich damit auch vom Diktum der Schrift ablöst und zu einem performativen Schreiben von und in Bewegung wird), die fragile Speerspitze eines starken Konzepts von Performativität, das nicht mehr das hochtrainierte Vermögen des einzelnen Tänzers in den Mittelpunkt rückt, sondern dessen räumliche Bewegung und Einbindung in Anordnungen innerhalb der Performancegruppe. Hier ist das deleuzianischem Vokabular auf fruchtbaren Boden gestoßen und wuchert dort im Reden über die Performances (Assemblage, Multiplicity, a-subjektives Bewusstsein, Bewegungen der Immanenz, Intensitäten und Virtualitäten, etc.).

Das Denken kann sich offensichtlich nicht sein lassen und seine Potenz muss sich durch das Tun erweisen. Diese Haltung zum Denken wird weltweit in Politik, Ökonomie und auch an den Universitäten gehortet und dominiert den Denkstil. Zugleich bietet dieser Denkstil auch Angriffsfläche für wohlplatzierte Ironie, deren Bitterkeit mitunter in tiefe Verachtung oder gar Ekel kippen kann, wenn nicht längst das Herz verblutet ist und man die Kraft einer schnippisch-souveränen Ironie verloren hat. Wer die Chance hat, sollte sich in dieser Hinsicht mal einen Vortrag von Andrew Bowie anhören.

Wie sähe eine Gesellschaft aus, deren Hauptanliegen darin besteht aus schwachen, starke Konstellationen zu machen und sich immer wieder in der Aufgabe sieht, erfindungsreiche Subjektivierungsformen und neue Erfahrungen zu produzieren? Wie können anstelle von Einpanzerungen offene Wunden ausgestellt werden, dem Zwang eine Kultur des Zulassens und des offenen Begegnens weichen? Es ist noch ein langer Weg bis hin zu einer Institutionalisierung des Nicht-Instituationalisierbaren, d.h. einer Einsicht, dass auch demokratische Verfahren der Mehrheitsevaluation irgendwann ausgedient haben werden und an ihre Stelle andere, komprimiertere Kommunikationsformen treten müssen, deren Gestalt uns noch unbekannt ist. Dies heißt nicht einem Aktivitätswahn zu verfallen, um endlich herzustellen, was längst überfällig ist, sondern Praktiken zu erproben, die von einer passiven Urquelle ausgehen und die Quelle ihrer zugrundeliegenden Passivität immer wieder neu erproben. Eine ununterbrochene Differenzbildung ohne Pole verschiedener Disziplinen. Eine intensive Praktik.

Conference: Performance Philsophy. Staging a New Field.
11.-13.04.2013, University of Surrey, Guildford, UK

Quellen

[1] Jean-Luc Nancy: Das Neutrale, die Neutralisierung des Neutralen, in: Blanchot: Das Neutrale. Schriften und Fragmente zur Philosophie, diaphanes, 2010, S. 7.

[2] Franz Kafka: Das Schloß, Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, 2004, S. 9.

[3] Bippus, Elke,  Huber, Jörg,  Nigro, Roberto (Hg.): Ästhetik x Dispositiv. Die Erprobung von Erfahrungsfeldern, Springer, Wien, New York, 2012.

[4] Ebd. S. 9.

Konferenzprogramm „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ (April 2013)





Performative Philosophie?! - Cusanische Fachschaft tagt zusammen mit der AG Künste und Wissenschaften
Ausgangspunkt der Tagung war die Frage, was „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ eigentlich sein kann, der unterschiedlichen Orten wie einer ehemaligen Kantine, einem alten Stadtbad und in Galerien nachgegangen wurde. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Ausstellung. Im Mittelpunkt stand an diesem Abend das Gespräch mit den KünstlerInnen über deren Bezüge zur Philosophie. Es folgten Beiträge aus den Bereichen der antiken Rhetorik sowie der ästhetischen und praktischen Philosophie, u.a. mit Mirjam Schaub, Eva-Maria Gauß, Christoph Horn und Petra Sabisch  In einem Workshop mit Lucia Rainer konnten die Teilnehmenden zudem selbst erproben, wie aus einem eigenen Text eine Lecture Performance werden kann. Einen Abschluss fand die Konferenz mit einer philosophischen Matinée, in der Dieter Mersch über seine zwölfstündige Performance „AGON: Memory Combat“ sprach. Nicht nur anhand dieses Beitrags diskutierte das interdisziplinäre Publikum angeregt über Praktiken der Erkenntnis in den Künsten und Wissenschaften, für die es vielleicht gar keinen neuen Begriff braucht. 
Conference on Performance Philosophy staging performances and an exhibition at Stattbad and a conference with Mirjam Schaub, Petra Sabisch, Dieter Mersch et al. in Berlin Wedding.



 

Konferenzprogramm „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ (April 2013)

Performative Philosophie?! - Cusanische Fachschaft tagt zusammen mit der AG Künste und Wissenschaften

Ausgangspunkt der Tagung war die Frage, was „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ eigentlich sein kann, der unterschiedlichen Orten wie einer ehemaligen Kantine, einem alten Stadtbad und in Galerien nachgegangen wurde. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Ausstellung. Im Mittelpunkt stand an diesem Abend das Gespräch mit den KünstlerInnen über deren Bezüge zur Philosophie. Es folgten Beiträge aus den Bereichen der antiken Rhetorik sowie der ästhetischen und praktischen Philosophie, u.a. mit Mirjam Schaub, Eva-Maria Gauß, Christoph Horn und Petra Sabisch  In einem Workshop mit Lucia Rainer konnten die Teilnehmenden zudem selbst erproben, wie aus einem eigenen Text eine Lecture Performance werden kann. Einen Abschluss fand die Konferenz mit einer philosophischen Matinée, in der Dieter Mersch über seine zwölfstündige Performance „AGON: Memory Combat“ sprach. Nicht nur anhand dieses Beitrags diskutierte das interdisziplinäre Publikum angeregt über Praktiken der Erkenntnis in den Künsten und Wissenschaften, für die es vielleicht gar keinen neuen Begriff braucht. 

Conference on Performance Philosophy staging performances and an exhibition at Stattbad and a conference with Mirjam Schaub, Petra Sabisch, Dieter Mersch et al. in Berlin Wedding.

 

Unser Review 2013 ist online! Werkstattbegehungen und eine eigene Forschungswerkstatt beschäftigten uns. Ausblick auf 2014: Was heißt ästhetisches, was heißt wissenschaftliches Denken?zum Review

Unser Review 2013 ist online! 
Werkstattbegehungen und eine eigene Forschungswerkstatt beschäftigten uns. Ausblick auf 2014: Was heißt ästhetisches, was heißt wissenschaftliches Denken?
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Tagungsnotiz: „Das Subjektive im Objektiven – Kunst als Impulsgeber für die Wissenschaftskommunikation“

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Welche Rolle Kunst für die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft spielen kann, zeigt Saskia Frank in dieser Tagungsnotiz anhand einiger Beispiele, die im November 2013 im „Forum Wissenschaftskommunikation“ in Karlsruhe diskutiert wurden. Die Autorin ist selbst tätig im Bereich Wissenschaftsvermittlung an der TU Braunschweig.

Einmal jährlich treffen sich im „Forum Wissenschaftskommunikation“ Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich Wissenschafts-PR, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftsmarketing. Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wächst stetig – Wissenschaftskommunikation expandiert. Das Thema der Jahrestagung 2013 lautete „Fokus Zielgruppe: Wen erreicht Wissenschaftskommunikation?“.[i] Im Mittelpunkt der Tagungssessions standen innovative Ansätze, Trends und Formate. Die von Dr. Susann Beetz moderierte Session hatte das Thema „Kunst und Wissenschaft“ auf der Agenda. Eingeladen waren Referierende aus drei deutschen Institutionen, die Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft entwickelt oder betreut haben.

Gegensätze? Kunst und Wissenschaft

Susann Beetz koordiniert in der Helmholtz-Gemeinschaft die Wanderausstellung „Ideen 2020“, die Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung in Deutschland zeigt. In ihrer Einführung eröffnet Beetz den Horizont der Session und stellt Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Kunst und Wissenschaft vor: Zunächst einmal fänden wissenschaftliche Erkenntnisprozesse unabhängig eines Publikums statt, der Prozess des Forschens sei in der Regel nicht transparent. Kunst hingegen sei an ein Publikum gerichtet und lebe von der Interaktion. Auch die Wissenschafts-kommunikation wolle zielgerichtet Öffentlichkeit ansprechen, wobei die Zielorientierung im Gegensatz zur Kunst auch eher eindimensional angelegt sei.  Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst berge Chancen, aber auch Risiken, denn künstlerische Projekte könnten im positiven wie auch im negativen Sinne die Grenzen guter wissen-schaftlicher Praxis überschreiten. Dennoch könne Kunst Diskurse eröffnen, und zwar in einer Form, die  Erfahrungen und Emotionen anspreche. Allerdings sei Kunst kein Dienstleister für Wissenschaft und Kommunikation, vielmehr sei das gegenseitige Profitieren entscheidend.

Kunst und Wissenschaft: Gemeinsamkeiten

Wie die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft fruchtbar gemacht werden kann, referierte Heike Katharina Mehrtens, künstlerischer Vorstand der in Berlin ansässigen Schering-Stiftung. Mehrtens plädiert dafür, Kunst und Wissenschaft zunehmend zusammen zu denken, denn nur so könne Welt als Ganzes verstanden werden. Die Schering-Stiftung fördert vor allem Symposien und Workshops und schafft Plattformen, auf denen sich Kunst und Wissenschaft treffen. Während Beetz eher die Unterschiede betont, zeigt Mehrtens die Gemeinsamkeiten auf: Kunst und Wissenschaft erforschen alles Unbekannte und bedienen sich im Grunde ähnlicher Methoden und Experimente um zu Erkenntnissen zu gelangen.  In der Kunst sowieso und in der Wissenschaft inzwischen auch, spiele die Visualisierung eine eminente Rolle, Wissensproduktion und Wissens-vermittlung geschehe über Bilder, wobei in der Wissenschaft das Wort nach wie dominiere.

Die Schering-Stiftung schafft mit ihren Förderprogrammen finanzielle Grundlagen und ist zugleich operative Institution und ökonomisches Netzwerk. Deutlich wird an dem Beitrag von Heike Katharina Mehrtens, dass es der Schering-Stiftung vor allem um das Anstoßen von Denkprozessen geht, um das Verständnis von gesellschaftlichen Herausforderungen und um das Infrage stellen der eigenen – künstlerischen und wissenschaftlichen – Prinzipien.

Lösungsansätze für die Zukunft

Stefan Aue von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften berichtet vom Ansatz des Jahresthemas ARTEFAKTE, das 2011 und 2012 unter dem Titel WISSEN IST KUNST, KUNST IST WISSEN firmierte.  Das Jahresthema diente mit 40 Partnern und 30 Einzelprojekten der regionalen Netzwerkbildung. Die Akademie machte in ihrem Themenjahr Allianzen zwischen Kunst und Wissenschaft möglich, um Fragen der Zukunft aufzuwerfen und Lösungsansätze vorzustellen. Dabei ging es um die Zusammenführung von Kunst und Wissenschaft sowohl im theoretischen Diskurs als auch in konkreten Projekten wie zum Beispiel dem „Syntopischen Salon“. Mit neuen dynamischen Formaten, die Rollenbildern, Denkstilen und Konventionen nachgehen, könnten, so Aue, gesellschaftliche Problemfelder identifiziert werden.

So viele Gemeinsamkeiten die von Mehrtens und Aue vorgebrachten Beispiele auch vermuten lassen, so sehr positionieren sich beide Vortragende auch unterschiedlich. Auf der einen Seite zeigen die dargestellten Projekte der Schering-Stiftung die Sicht auf Kunst und Wissenschaft selbst, so dass die Schnittstellen-Projekte zu einem Erfahrungsraum für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden. Auf der anderen Seite geht die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit ihren interkulturellen und interdisziplinären Formaten in den öffentlichen Raum und sucht durch die Entstehung des momenthaftigen Neuen nach Ansätzen, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Öffentlichkeitsarbeit und institutionelle Grenzen

Während sich die Schering-Stiftung und die Berlin–Brandenburgische Akademie der Wissenschaften explizit die Förderung von­­ Kunst/Wissenschafts-Projekten auf die Fahnen schreiben, stellt der dritte Referent Andreas Schütz vor, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Kunstprojekte in seine Öffentlichkeitsarbeit  integriert. Die Förderung von Kunstprojekten gehöre normalerweise nicht zu den Aufgaben einer Forschungseinrichtung. Dennoch kämen Anfragen von Verlagen und Filmproduktionsfirmen, in denen Luft- und Raumfahrt eine Rolle spielen. Schütz sieht in der Beratung dieser Projekte eine gute Möglichkeit, Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Wissenschaft zu betreiben, da beispielsweise mit Science Fiction-Büchern und -Filmen neue Zielgruppen erreicht werden können, die im ersten Schritt weniger wissenschaftsaffin sind.  Auch mit der – hauptsächlich ideellen – Unterstützung von Kunstprojekten im engeren Sinne könnten neue Horizonte der Öffentlichkeitsarbeit eröffnet werden. In der Folge entstehen größere Gemeinschaftsprojekte, wie zum Beispiel die Ausstellung OUTER SPACE. DER WELTRAUM ZWISCHEN KUNST UND WISSENSCHAFT, die in der Bundeskunsthalle Bonn in Zusammenarbeit mit dem DLR im Oktober 2014 eröffnet wird.

Öffentlichkeitsarbeit an deutschen Wissenschaftseinrichtungen ist institutionellen Regeln unterworfen, und nur persönlicher Einsatz und eine Portion Idealismus können helfen, die bürokratischen Hürden zu überwinden. Damit die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft überhaupt erst möglich werden kann, sind strukturelle und ökonomische Grundlagen nötig. Es bedarf hierfür langfristige Förderungen und vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die neuen thematischen Zugängen offen gegenüber stehen. 

Breitenwirksamkeit?

Die Referentinnen und Referenten haben auf eindrucksvolle Weise gezeigt, welche Vielfalt an Formaten es bereits an der Schnittstelle Kunst und Wissenschaft gibt. Allerdings bleiben die meisten angesprochenen Projekte Teil des Wissenschaftsbetriebs. Wenn aber die Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft gesellschaftlich wirken soll – sei es, weil disziplinäre Grenzen gesprengt werden müssen oder kreative Lösungen für aktuelle Probleme gesucht werden, dann wäre eine weitere Verbreitung zielführend. 

Wie diese Projekte breitenwirksam werden können, blieb in dieser Session offen. Wen erreichen solche Projekte? Wie können weitere Zielgruppen teilhaben? Auf welche Weise können  neue Ideen gesellschaftlich verankert werden? Susann Beetz hat in ihrer Einführung von der Eindimensionalität gesprochen: Wenn aus der Ein-Weg-Kommunikation eine netzartige Kommunikation entstehen würde, dann hätten auch kreative Ideen aus der Öffentlichkeit Chancen, Wissenschaft zu bereichern. Wissenschaft ist Teil der Gesellschaft und nur durch ein soziales Wechselspiel von Beidem kann Neuartiges produziert werden.

Bleibt  die Vermittlung von Wissen  eine eindimensional orientierte Veranstaltung, so ist gesellschaftliche Teilhabe nur bedingt möglich. Die Formatentwicklung an der Schnittstelle Kunst/Wissenschaft wäre eine lohnende Aufgabe für die noch junge Disziplin „Wissenschaftskommunikation“. Dafür wären interaktive Formate sinnvoll, die das Forschen auch von Nichtwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern  möglich machen.  Als Stichwort wäre hier künstlerische Forschung zu nennen. Ein wesentlicher Aspekt der künstlerischen Forschung ist nicht die Vermittlung von Wissen, sondern die Entstehung desselben. Folglich könnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch vom Wissen der Öffentlichkeit profitieren und darauf aufbauend ihre Forschungsfragen neu denken.

Rolle der Wissenschaftskommunikation?

Aus dieser Perspektive würde sich automatisch die Rolle von Wissenschaftskommunikation ändern.  Zu diesen in der Session vorgestellten Kunst/Wissenschafts-Projekten müssten Kommunikationsstrukturen aufgebaut werden, die öffentliche Teilhabe ermöglichen. Die Session hat nicht zuletzt deutlich gemacht, dass sich die deutsche Wissenschaftskommunikation an einem Punkt befindet, an dem sie sich überhaupt erst einmal positionieren muss - weg vom produktorientierten Denken hin zu einer prozessualen Kommunikation auf Augenhöhe mit der Öffentlichkeit in all ihren Schattierungen und Bezügen. Kunst ist also weniger als Impulsgeber für Wissenschaft zu verstehen, sondern eher als Vorbild für Kommunikationsformate, die sich nicht nur auf das akademische Klientel beziehen.

Hierfür wäre allerdings ein weiter Kunstbegriff nötig, der weniger auf das künstlerische  Produkt abzielt, sondern generell kreative Prozesse, ihre Ausdrucksformen und Techniken einbezieht (Theater, Performances, Alltags- und Popkultur, Design, neue und soziale Medien), um das Mitmachen und Teilhaben in einer innovativen Gesellschaft zu ermöglichen. Eine der Hauptaufgabe von Wissenschaftskommunikation wäre, weniger eine vermittelnde Funktion, sondern vor allem eine aktive Position einzunehmen. Wissenschaftskommunikation definiert dann die Ziele und Zielgruppen, schafft Aufmerksamkeit, entwickelt das Profil einer Institution, erkennt und formuliert Botschaften und spricht nicht zuletzt direkt und differenziert die Öffentlichkeit an. Wissenschaft und Öffentlichkeit sind in diesem Sinne als gleichwertige Partner aufzufassen.  Hierfür muss Wissenschaftskommunikation das Rad nicht neu zu erfinden, denn im Kulturbereich wird bereits seit den 1970-er Jahren „Kultur für alle“ gefordert und umgesetzt.  Kunst und Kultur sind seit damals nahbarer geworden, davon sprechen nicht zuletzt auch die Besuchsstatistiken von Ausstellungen: Museen zählten für 2012 über 112 Millionen Besucherinnen und Besucher.

Vor diesem Hintergrund ist die Schnittstelle Kunst/Wissenschaft multiperspektivisch zu betrachten: Erstens wäre die zunehmende Förderung von Projekten als introspektiver Erfahrungsraum für Kunst und Wissenschaft wünschenswert. Zweitens: Künstlerische und kulturelle Formate sollten langfristig Standard in der Wissenschaftskommunikation werden.  Drittens: Wissenschaftskommunikation ist als Prozess aufzufassen, der differenziert innerhalb und außerhalb der Institutionen wirkt. Eine Folge dieser Gedanken wäre auch, dass solchen Sessions nicht der Charakter einer „Orchidee“  anhaftet, sondern dass diese Ansätze elementarer Teil von Tagungen wie dem Forum Wissenschaftskommunikation wären, denn die Session war eine der ertragreichsten auf der Konferenz.



[i] 6. Forum Wissenschaftskommunikation: „Fokus Zielgruppe – Wen erreicht Wissenschaftskommunikation?“ 11. bis 13. November, Messe- und Kongresszentrum Karlsruhe. http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/forum/forum-2013.html

ANGELOMETRIE
a sound performance on the acoustic articulation of shapes of silence and the measurement of sound, movement and image of a fallen angel
by Tamara Rettenmund & Johannes Bennke (kunstwissenkollision) et al. 
 
http://angelometrie.tumblr.com
16/08/2013
ETI Schauspielschule (Theatersaal) Rungestr. 20 10179 Berlin Nähe S/U-Bhf Jannowitzbrücke

ANGELOMETRIE

a sound performance on the acoustic articulation of shapes of silence and the measurement of sound, movement and image of a fallen angel

by Tamara Rettenmund & Johannes Bennke (kunstwissenkollision) et al. 

 

http://angelometrie.tumblr.com

16/08/2013

ETI Schauspielschule (Theatersaal)

Rungestr. 20

10179 Berlin

Nähe S/U-Bhf Jannowitzbrücke


STOFF[WECHSEL]. Eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt
12.09.-15.09.2013 in Könnern bei Halle (Saale)
veranstaltet von der AG Künste und Wissenschaften im Ev. Studienwerks e.V. Villigst
Die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften richtet für vier Tage eine Villa mit Garten, Kaffee-Wohnwagen und mobilen Arbeitskisten ein, um nebeneinander zum Thema STOFF[WECHSEL] zu arbeiten (zum Rundgang durch die Villa). Wir möchten in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung den individuellen Forschungsprozess innerhalb der je eigenen Disziplin fördern, die eigene Herangehensweise zur Entfaltung kommen lassen und diese wiederum unter Beobachtung stellen. Diese Spannung zwischen Prozess und Beobachtung, Generierung und Intervention, Entwicklung und Dokumentation ermöglicht die Forschung über individuelle Praktiken. Es geht in der Forschungswerkstatt nicht darum, was produziert wird, sondern wie vorgegangen wurde. Im Laufe des Workshops dokumentieren alle Teilnehmenden ihre Arbeitsmethodiken, um am Ende Einsicht in ihren Arbeitsprozess zu geben.
Der Teilnahmebetrag beträgt 110,00€ (inkl. Unterbringung, Verpflegung, Basismaterialien).
Anmeldeschluss (15 Plätze): 3. September 2013
Anmeldung und Fragen zum Workshop bitte per Mail an: kuenstewissenschaften [a t] gmail [d o t] com
Bitte achte darauf, dass Deine Anmeldung folgendes beinhaltet:
 - ausgefüllter Anmeldebogen: http://bit.ly/15Z2yzP
 - ein Foto von Dir als separat angehängtes JPEG
 - eine schriftliche Skizze Deines Forschungsvorhabens in 5 Sätzen
Fotos von unserer Interdisziplinären Werkstattbegehung im Juni: http://bit.ly/12wAF2N
Vielen Dank für Dein Interesse.
Birgit Behrisch, Johannes Bennke, Annika Haas, Rasa Weber, Natascha Krüning

STOFF[WECHSEL]. Eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt

12.09.-15.09.2013 in Könnern bei Halle (Saale)

veranstaltet von der AG Künste und Wissenschaften im Ev. Studienwerks e.V. Villigst

Die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften richtet für vier Tage eine Villa mit Garten, Kaffee-Wohnwagen und mobilen Arbeitskisten ein, um nebeneinander zum Thema STOFF[WECHSEL] zu arbeiten (zum Rundgang durch die Villa). Wir möchten in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung den individuellen Forschungsprozess innerhalb der je eigenen Disziplin fördern, die eigene Herangehensweise zur Entfaltung kommen lassen und diese wiederum unter Beobachtung stellen. Diese Spannung zwischen Prozess und Beobachtung, Generierung und Intervention, Entwicklung und Dokumentation ermöglicht die Forschung über individuelle Praktiken. Es geht in der Forschungswerkstatt nicht darum, was produziert wird, sondern wie vorgegangen wurde. Im Laufe des Workshops dokumentieren alle Teilnehmenden ihre Arbeitsmethodiken, um am Ende Einsicht in ihren Arbeitsprozess zu geben.

Der Teilnahmebetrag beträgt 110,00€ (inkl. Unterbringung, Verpflegung, Basismaterialien).

Anmeldeschluss (15 Plätze): 3. September 2013

Anmeldung und Fragen zum Workshop bitte per Mail an: kuenstewissenschaften [a t] gmail [d o t] com

Bitte achte darauf, dass Deine Anmeldung folgendes beinhaltet:

- ausgefüllter Anmeldebogen: http://bit.ly/15Z2yzP

- ein Foto von Dir als separat angehängtes JPEG

- eine schriftliche Skizze Deines Forschungsvorhabens in 5 Sätzen

Fotos von unserer Interdisziplinären Werkstattbegehung im Juni: http://bit.ly/12wAF2N

Vielen Dank für Dein Interesse.

Birgit Behrisch, Johannes Bennke, Annika Haas, Rasa Weber, Natascha Krüning

STOFF[WECHSEL]

Workshopteaser von Rasa Weber

…eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt

weitere Eindrücke von unseren (Raum)Planungssession in Berlin und einer ersten Begehung der attac Villa in Könnern bei Halle (Saale).

»zum virtuellen Rundgang 

Fotos&Rundgang: Johannes Bennke

Interdisziplinäre Werkstattbegehungen der AG Künste und Wissenschaften

27. bis 29. Juni 2013

in Potsdam und Berlin

Im Juni traf sich die Arbeitsgemeinschaft zum zweiten Mal in diesem Jahr um ihre Forschungswerkstatt im September zu planen. Im Spannungsfeld von Prozess und Produkt – zwei Aspekte, die aus unserer Sicht in den Künsten und verschiedenen Wissenschaften jeweils unterschiedlich stark Herangehensweisen, Praktiken und das Denken charakterisieren – besuchten wir verschiedene Orte sogenannter interdisziplinärer Zusammenarbeit und Forschung. Mit Jörn Köppler kamen wir ins Gespräch über seinen Zugang zu Architektur, Philosophie und Poesie. Thomas Lilge gab uns Einblicke in das kürzlich eröffnete Interdisziplinäre Labor der Humboldt Universität. Mit Ulrich Weinberg führten wir im Anschluss an die Besichtigung der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts ein Gespräch über die Grenzen und Möglichkeiten dieser Methode. Beiträge von Johannes Bennke zu Problematiken rund um die Begriffe künstlerische Forschung, Erinnern, Vergessen, Produkt und Prozess trugen wie ein Bericht von Annika Haas über ihren Aufenthalt am Culture Lab Newcastle sowie ein Workshop mit Claire Luzia Leifert und Birga Schlottmann zur Konkretion und Planung der Forschungswerkstatt bei. 


Fotos: Johannes Bennke

Vom 27. – 29. Juni 2013 trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften zur Planung ihrer diesjährigen Forschungswerkstatt in Potsdam und Berlin. Ein erstes Konzept dafür wurde bereits im März verfasst. Nun möchten wir dazu Expertisen einholen. Vor diesem Hintergrund fragen wir:
Welche  Erwartungen  knüpfen  sich  an  interdisziplinäres  Forschen?  In welchen Räumen und Formaten findet diese Zusammenarbeit statt?  Wie nehmen die Methoden unterschiedlicher Disziplinen und Künste Einfluss auf Fragen und Ergebnisse solcher Institutionen und Verbünde? Welche Rolle spielt prozess-, welche produktorientiertes Arbeiten?
Neben den Werkstattbegehungen werden wir Expertenespräche führen, kurze Inputs von AG Mitgliedern bekommen und in Arbeitsphasen das Konzept für die Forschungswerkstatt schärfen. 
Wie soll eine Werkstatt aussehen, in der verschiedene Disziplinen gleichzeitig am Werk sind? Welche Ausstattung benötigt sie? Kann und soll es dafür Regeln geben? Und: Wozu wollen wir arbeiten?
KÖRPER  - Ausgangspunkt unserer Weltwahrnehmung und –gestaltung  -  war 2012 bereits Thema eines AG Workshops und soll nun einen Korrelationsbegriff X bekommen. Davon ausgehend sollen die Teilnehmenden im September mit einem kleinen Vorhaben in die Forschungswerkstatt kommen. Diese Skizzen werden dann vor Ort wiederum herausgefordert von einem bis zuletzt unbekannten Gegenstand (Begriff, Objekt, Text etc.), mit dem dann gearbeitet werden soll. Das Fokussieren auf die eigenen Praktiken und ein Arbeiten in Juxtaposition werden als erste Schritte hinsichtlich einer Interdisziplinarität verstanden, die auch die Künste einschließt. 

Organisation: Birgit Behrisch, Natascha Krüning, Rasa Weber, 
Johannes Bennke, Annika Haas
Anmeldung: annikahaas [at] web [dot] de

Programmauszug
DONNERSTAG, 27.06.2013
Café Elflein, Potsdam
17:00 Uhr Gespräch mit Jörn Köppler zum Verhältnis von Architektur und Körper
moderiert und kommentiert von Johannes Bennke
siehe: http://www.koeppler-tuerk.de/

FREITAG, 28.06.2013
Bild. Wissen. Gestaltung.
Interdisziplinäres Labor der Humboldt Universität zu Berlin
Beginn 10:00  |  Gespräch mit Thomas Lilge zum Prozessorientierten Denken
begleitet von einem Input zum Prozess- und produktorientierten Denken von Johannes Bennke
siehe: https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/

Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH, Potsdam
15:00 Uhr  Führung durch das HPI und zur School of Design Thinking mit Heike Balluneit und evtl. Prof. Ulrich Weinberg
siehe: http://www.hpi.uni-potsdam.de/studium/d_school.html

Samstag, 29.06.2013
menschen formen e.V. , Berlin
Beginn 10:30 Uhr | Culture Lab Newcastle – Beobachtungen von Annika Haas
siehe: http://dm.ncl.ac.uk/blog/category/projects/
14:30 Gespräch mit Sophia Pompéry über Olafúr Eliassons Institut für Raumexperimente und ihre künstlerische Arbeit
moderiert von Annika Haas
siehe: http://www.sophiapompery.de/
http://www.raumexperimente.net/

Vom 27. – 29. Juni 2013 trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Künste und Wissenschaften zur Planung ihrer diesjährigen Forschungswerkstatt in Potsdam und Berlin. Ein erstes Konzept dafür wurde bereits im März verfasst. Nun möchten wir dazu Expertisen einholen. Vor diesem Hintergrund fragen wir:

Welche  Erwartungen  knüpfen  sich  an  interdisziplinäres  Forschen?  In welchen Räumen und Formaten findet diese Zusammenarbeit statt?  Wie nehmen die Methoden unterschiedlicher Disziplinen und Künste Einfluss auf Fragen und Ergebnisse solcher Institutionen und Verbünde? Welche Rolle spielt prozess-, welche produktorientiertes Arbeiten?

Neben den Werkstattbegehungen werden wir Expertenespräche führen, kurze Inputs von AG Mitgliedern bekommen und in Arbeitsphasen das Konzept für die Forschungswerkstatt schärfen. 

Wie soll eine Werkstatt aussehen, in der verschiedene Disziplinen gleichzeitig am Werk sind? Welche Ausstattung benötigt sie? Kann und soll es dafür Regeln geben? Und: Wozu wollen wir arbeiten?

KÖRPER  - Ausgangspunkt unserer Weltwahrnehmung und –gestaltung  -  war 2012 bereits Thema eines AG Workshops und soll nun einen Korrelationsbegriff X bekommen. Davon ausgehend sollen die Teilnehmenden im September mit einem kleinen Vorhaben in die Forschungswerkstatt kommen. Diese Skizzen werden dann vor Ort wiederum herausgefordert von einem bis zuletzt unbekannten Gegenstand (Begriff, Objekt, Text etc.), mit dem dann gearbeitet werden soll. Das Fokussieren auf die eigenen Praktiken und ein Arbeiten in Juxtaposition werden als erste Schritte hinsichtlich einer Interdisziplinarität verstanden, die auch die Künste einschließt. 

Organisation: Birgit Behrisch, Natascha Krüning, Rasa Weber, 

Johannes Bennke, Annika Haas


Anmeldung: annikahaas [at] web [dot] de

Programmauszug

DONNERSTAG, 27.06.2013

Café Elflein, Potsdam

17:00 Uhr Gespräch mit Jörn Köppler zum Verhältnis von Architektur und Körper

moderiert und kommentiert von Johannes Bennke

siehe: http://www.koeppler-tuerk.de/

FREITAG, 28.06.2013

Bild. Wissen. Gestaltung.

Interdisziplinäres Labor der Humboldt Universität zu Berlin

Beginn 10:00  |  Gespräch mit Thomas Lilge zum Prozessorientierten Denken

begleitet von einem Input zum Prozess- und produktorientierten Denken von Johannes Bennke

siehe: https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/

Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH, Potsdam

15:00 Uhr  Führung durch das HPI und zur School of Design Thinking mit Heike Balluneit und evtl. Prof. Ulrich Weinberg

siehe: http://www.hpi.uni-potsdam.de/studium/d_school.html

Samstag, 29.06.2013

menschen formen e.V. , Berlin

Beginn 10:30 Uhr | Culture Lab Newcastle – Beobachtungen von Annika Haas

siehe: http://dm.ncl.ac.uk/blog/category/projects/

14:30 Gespräch mit Sophia Pompéry über Olafúr Eliassons Institut für Raumexperimente und ihre künstlerische Arbeit

moderiert von Annika Haas

siehe: http://www.sophiapompery.de/

http://www.raumexperimente.net/

Tagungsnotiz: Performance Philosophy. Staging a new field.

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Von Johannes Bennke


Ohne Zweifel nimmt das Performative im akademischen wie kunstkritischen Diskurs eine derzeit entscheidende Stelle ein. Es wäre keine Übertreibung anzunehmen, dass sich alles, in Wissenschaft, Kunst und Ökonomie (um nur drei sehr prominente institutionalisierte Bereiche zu nennen), auf diesen einen Begriff beziehen lässt. An diesem erfahren jene disparaten Gebiete ihre höchste Verdichtung; ein Begriff, der zugleich entlang einer Fluchtlinie auf ein inneres Zentrum einer Glut verweist, in deren Hitze alles evaporiert. Eine produktiv-schöpferische Leerstelle, deren paradoxe Existenz vor allem in einer Forderung besteht, in einer Ethik.

„Dieser Anspruch, diese Forderung verlangt, dass wiederholt werde, was nicht statt gehabt hat, dass der Nichtort, die Unstatt oder die Nichtpräsenz jedes Ursprungs, jeder Substanz, jedes Subjekts, auf die einzige Weise bejaht, behauptet und bekräftigt, also affirmiert wird, die möglich ist: nämlich in einer nomadischen Affirmation.” [1]


Dieses Zitat von Jean-Luc Nancy zeugt von der Schwierigkeit dieses immanente „Jenseits des Sinns rückhaltlos zu seinem Recht kommen zu lassen“. Eine Begriffsschwierigkeit einer Benennung des Unnennbaren, das performative Paradox (oder: das paradoxe Performative) dieses Nicht-Ortes oder den Außerhalb-Ort, den Schwellenort des Übergangs, der nie vorüber ist. Diese paradoxe Dialektik löst sich in ein produktives Verhältnis auf. Es ist jener kafkaeske Moment auf einer architektonisch verorteten Ethik eines zögernden Blicks auf einer Brücke zu Beginn des Schloss-Romans:

„Es war spät abend als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehn, Nebel und Finsternis umgaben ihn, und auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führt und blickte in die scheinbare Leere empor.“ [2]

Mit dem Beginn der doppelten Reise (des Protagonisten und des Lesens) wird jene Brücke zur Dorfschwelle, auf der das Betreten sich als Zögern artikuliert. Der Roman beginnt mit einem Stillstand. Man könnte dies als akademisch eigenwillige Interpretation deuten, bei der ein Zögern im Anfang zu einem mächtigen Theoriegebäude aufgebläht wird, wodurch die (Literatur-) Theorie oder die philosophisch inspirierte Kunstkritik sich den Vorwurf ausgesetzt sähe, ein unnötig verkomplizierendes Sperenzchen durchzuführen, um sich selbst zu legitimieren. Ein Vorwurf, bei dem sich Künstler wie Akademiker nicht viel nehmen. Nur kann dieser Vorwurf als Frage an eben jene rein pragmatisch orientierten zurückgegeben werden: „Was liegt dem aktiv Handelnden zugrunde und mit welchem Recht wird dieses Zögern übergangen?“ Man könnte auch noch nachsetzen: „Was performt jene empirische Wissenschaft als soziale Praxis, wie setzt sie uns mit  Welt in Verbindung und was bewirkt sie damit?“

In jener „nomadischen Affirmation“ liegt eine Forschungsbewegung und Praktik, deren Schreibspur von einem Sowohl-als-auch zeugt, einer Fiktion der Gleichzeitigkeit verschiedener, aber möglicher Gegenwartswelten - sowohl die eine Welt ist möglich, als auch die andere Entscheidung, die zu einer anderen Welt führt. Souverän und erfinderisch balanciert man die einzelnen Möglichkeiten ab. Und mit welchem Recht ist der Realitätsgehalt verschiedener Möglichkeiten in Frage zu stellen? Mit dieser Schwellenkunde des Sowohl-als-auch umwandert die (künstlerisch-wissenschaftliche-etc.) Praktik in einer sich entfernenden Annäherung einen neutralen Ort des Weder-das-Eine-noch-das-Andere. Ein performativ sich einstellender, zukommender Ort des Medialen. Ein punktueller, immer wieder aufgesuchter, doch nie erreichbarer Zwischenort, ein entfleuchender Transitort. Bemerkenswert an diesen Überlegungen ist die nicht-zufällige Koinzidenz einer disziplinübergreifenden Erfahrung: man ist in eine nicht-empirische Erfahrung eingebunden. Was heißt das?

Auf der Tagung „Performance Philosophy. Staging a new field“ an der University of Surrey in Guildford (ein äußerst langweiliges Mittelklasse-Städtchen, in dem viele Londoner Pendler wohnen, und deren Töchter sich am Wochenende in pinken Miniröckchen im Mamboclub vergnügen) übernahm der Titel eine heuristische Funktion und versammelte unter seinem Dach Künstler_innen wie Akademiker_innen vor allem aus den Geisteswissenschaften. Die Benennung einer nicht-empirischen Erfahrung ist nur unter äußerster Gefahr einer Verallgemeinerung jener Performance-Kunst zu haben. Es geht gar nicht ohne diese Gefahr, deren produktives Moment aber gerade darin besteht etwas von der Vielfalt dieser nicht-empirischen Erfahrung spürbar zu machen. Es geht – so meine These - um die Herstellung einer intensiven Spannung, die nur ganz bestimmte Konstellationen ermöglichen, und die sich von dem Zwang befreit hat ihr Ziel in einer ökonomischen Optimierung zu suchen. Der Begriff des Ökonomischen selbst verändert sich unter diesen Praktiken, Wissen wird zugunsten des Prozesses und der Praktik zweitrangig. Es geht um ein Offenhalten der Öffnung zu Möglichkeiten. Man forscht mit dem Körper und seinem Vermögen.

Wenn der Untertitel „Staging a new field“ auf eine topologische Erschließung oder Sichtbarmachung aus ist, so löst dies den akademischen Reflex aus, eben jenes „field“ mit Kategorien zu verminen, die in ihrem Territorialgestus mit Funktionen, Dimensionen und Attributen zu kolonisieren versuchen, was sich eben dieser Kartographie entzieht. Das Feld des Neutralen ist kein Südpol, auf dem man sein Fähnchen wehen lassen könnte, um dann mit einem Beweisfoto seine abenteurlustige Forschernatur unter Beweis gestellt zu haben. Es ist lediglich – und das ist nicht wenig - ein nomadisches Wandern möglich, deren Annäherung sich zugleich in eine Abgrenzungspraktik hineinbegibt, deren zentraler Modus das Mediale ist, durch das es erst in Erscheinung treten kann.

Die poetische Dimension und zugleich ethische Forderung, wenn nicht Verpflichtung, liegt eben darin, zuzulassen, dass ein Bereich sich einer systematischen Erschließung widersetzt und eben dadurch ein ungeheures kreatives Potential freisetzt. Die individuellen Zugänge werden zu Übergängen, die spürbar machen, was Jenseits des Sinns liegt, aber weder transzdendental (also dem reinen Subjekt zugehört) noch transzendent (also der Erfahrung des Jenseits selbst) ist. Es ist ein diesseitiger Sinn Jenseits des Sinns. Eine Wiederholung dessen, was nicht statt gehabt hat. Die empirischen Erfahrung ist unzugänglich, lässt sich aber in eine ästhetische Fiktion kanalisieren. Sie kann in dieser sich medial entfernenden Annäherung eben jene Spannung spürbar machen, deren Zeuge man gewesen ist.

Jener Zeuge, der durch etwas Erlebtes durchgegangen ist und in traumatischer Bindung und in Freundschaft an die/das Opfer nicht darüber spricht, sondern zu ihnen/ihm spricht und ihren Resonanzraum in die Fiktion trägt. Völlig verkennen tut man diese Praktik, wenn man sie als blos pathologisch abtut. Überhaupt die Pathologie, die so eng mit einem Normenverständnis des Gesunden verbunden ist, dass sich darin auch ästhetische Praktiken, denen man ja gerne Freiheit an sich attestiert, haben gefangen nehmen lassen. Das Erlebte wird zu einem Faktum, Erfahrung und Faktum fallen zusammen, werden ästhetisch und stellen sich in ein Erbe einer Wahrnehmbarkeit von Wahrnehmung. In einer kritisch, reflektierten Distanz zu Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft wird die Fähigkeit JA zu sagen, erprobt. `Ja, aber nun ist es anders.´ Die umfassende Halluzination eines real Erlebten findet sich in einem melancholischen Weltbezug wieder, der vom Schmerz nicht lassen mag, ihn gar zum Anlass ästhetischer Produktion nimmt. Die Devianz des Ästhetischen als spürbarer reiner a-subjektiver Bewusstseinsstrom, der notwendigerweise & performativ Differenzen produziert. Mitunter bedeutet dies eine Höllenpraxis für den Zuschauer, der ohnehin ob seiner (bürgerlichen) Moral und seines Wissens und Denkstils verdächtig ist.

So ließen sich die historischen Genealogien von Theater und Philosophie auf ihre unterschiedlichen Ursprünge hin perspektivieren und die aufkeimende Lücke zwischen den beiden institutionalisierten Disziplinen als produktive Leerstelle stark machen. Mind the gap. Es gibt gute Gründe für eine solche Trennung, in der sich das Theater von der Philosophie inspiriert sieht (Brecht, Artaud, Beckett, Camus, etc.) und umgekehrt die Philosophie vom Theater Konzepte entwickelt hat (Platon, Bergson, Adorno, Deleuze, Cavell, Badiou). Schaut man genauer oder einfach anders hin, so geht diese krude Oppositionsstellung nur unter dem Einkauf eines repräsentativen Verständnisses von Theater und Philosophie auf, wie es sich innnerhalb der Akademie ausgebildet hat. Man ist berechtigt den Verdacht eines Kategorienfehlers zu haben: wenn Performance Philosophy ein „neues Feld“ suggeriert, wieso bedient man sich dann gerade der instituationalisierten Varianten und grenzt sie durch eine Verhältnisbestimmung voneinander ab? Zumal Beckett: ist nicht gerade unter seiner Autorschaft Theater und Philosophie untrennbar zusammengefallen, sodass die Werke als eigenständige Denkpraxis im Bühnenraum auftreten? Wie möchte man allein in diesem Falle entscheiden – und Singularitäten sind hier nicht Ausnahmen der Regel, sondern ein Beispiel für die Möglichkeit einer Zusammenkunft, eines close encounters von Theater und Philosophie. Wenn man überhaupt davon sprechen kann, dass eine Singularität etwas exemplifizieren kann, dann, dass sie die Möglichkeit zeigt, dass etwas anderes möglich ist, als ein dialektisches Denkschema.

Schauen wir uns den Titel noch einmal genauer an: Performance Philosophy. Die Syntax ist klar: zwei Nomen in Reihe durch keine Partikel verbunden. Sie stehen nebeneinander; man mag eine Hierarchie durch die Sukzession vermuten und der syntaktischen Stellung von Performance wie (auch im Englischen) üblich eine adjektive Funktion geben. Jedoch heißt der Titel ja nicht „performative philosophy“, zumal dann die Frage wäre, was die umgekehrte Variante „philosophical performance“ in Abgrenzung dazu sein soll? Und was bedeutet es zum Einen der Philosophie performative Qualitäten beizugesellen und zum Anderen die Performance philosophisch zu sättigen? Ist sie das schon oder soll sie es erst werden? Spielt sich dann Philosophie nur in der Sprache ab? Auch ein dialektischer Tausch in „Philosophy Performance“ macht es nicht durchsichtiger, es klingt ein wenig stelziger. Was bleibt sind zwei Nomen, deren Verhältnis ungeklärt ist.

In einem Band, der sich unter anderem Schwerpunkt, einem ähnlichen Problem stellt, ist die ungewisse Verhältnisbestimmung zu einem produktiven Moment geworden, der sich gleichwohl als akademischer Diskurs niedergeschlagen hat: „Ästhetik x Dispositiv“ [3]. The philosophy of the X. Dieses x markiert keine Leerstelle, keinen Zwischenraum zwischen zwei disparaten Bereichen, sondern versucht eher den syntaktischen Zwang der Reihung auszuhebeln und keine übergreifende Theorie oder Praktik zu erarbeiten, sondern mannigfaltige Verhältnisse und Verbindungen herzustellen. In einem kühnen Bogen ließe sich das Dispositiv mit der Philosophie analogisch verbinden, wenn damit Erfahrungsfelder gemeint sind, die ein Netz von Beziehungen charakterisieren, das nicht objektivierbar ist und eher die Art und Weise bezeichnet, wie sich Dinge, Praktiken, Beziehungen usw. in der Zeit und durch die Zeit ergeben und versammeln. Gleichwohl, und darin unterscheiden sich Philosophie und Dispositiv, erlaubt erst die Philosophie ein Bewusstsein vom Dispositiv, solange es nicht selbst dessen Teil ist. Im Schwung des gleichen kühnen Bogens versammeln sich auch Ästhetik und Performance zusammen, insofern mit Ästhetik die Formung der Existenz und des Subjekts gemeint ist. Damit wird ein Prozess gemeint, in dem man sich selbst aktiv verändert.

„Wenn das Dispositiv einen Subjektivierungsprozess voraussetzt und produziert, in dem das Subjekt aus dem Dispositiv hervorgeht wie ein Kind aus seiner Zeit, müssen wir von dieser Subjektivierung, von dieser Form von Sozialisierung, einen ganz anderen Prozess unterscheiden, den wir als Ästhetisierung bezeichnen können. Dabei handelt es sich um einen individuellen/subjektiven Vorgang und nicht um eine vom Dispositiv aufgezwungene Lebensform. Es handelt sich um Schöpfungen, um persönliche Stile, die sich normativ auf die ganze Gesellschaft ausdehnen können.“ [4]

So hat denn die Performance Philosophy eine immanent politische Bedeutung. Und hier von Sinn und Bedeutung zu sprechen hat genau dort seinen Ort, wo es um eben jene Sphäre des Politischen geht, die uns an Erfahrungen teilhaben lässt, die uns herausfordern und nicht einfach vom Tisch weggefegt werden können. Eine philosophisch inspirierte Kunstkritik fungiert zwar als Orientierung gebendes, textuelles Verfahren, fügt dem Kunstwerk aber nicht einen beliebigen Paratext hinzu, sondern versucht sich an einer Begegnung mit dem Kunstwerk. Ein Begegnungstext, bei dem etwas mit dem Schreibenden passiert und im besten Falle auch dem Lesenden. Eine gute Kunstkritik denkt mögliche Begegnungen mit, kehrt eine zentrale Idee bzw. ein Konzept heraus und begegnet idealerweise offen der Offenheit jenes Kunstwerks und lässt es zu, dass man davon berührt werden mag (vorausgesetzt man möchte verändert werden). Es geht in einer historisch ausgreifenden Geste auch um die Befragung von Genealogien. Woher kommen die Bedingungen, auf deren Basis wir unser Wissen, unsere Thesen und Annahmen über oder von der Welt artikulieren? Was sind die Funktionen dieser dominanten Varianten dieser Weltbezüge und was machen sie mit unserem In-der-Welt-sein? Welche Methoden verwendet die Wissenschaft? Welche kulturellen Praktiken verändern uns durch ihre Wissensbildung?

Es geht um ein Körperdenken und die Frage wie eine nicht-represseive Gemeinschaft gedacht werden kann? Wie kann eine Gesellschaft praktiziert werden, in der das Individuum nicht als Störfaktor in einer Massengesellschaft wahrgenommen wird, sondern als produktives Mitglied, das nicht notwendigerweise auf Integration aus sein muss? Welche Praktiken führen hierbei zu der Wahrnehmung einer solchen Wissensproduktion, die eine ganz andere ist, als die ökonomisch wertvolle? Ist denn die freudsche Analyse nicht eine sehr erfindungsreiche Variante des Dialogs, mit der er die „menschliche Kultur“ um eine überraschende Form bereichert hat, wie Maurice Blanchot an einer Stelle über „Das analytische Sprechen“ bemerkt? Und mit welcher Technologie des Selbst wird hier eigentlich welches Wissen produziert? Es bedarf in diesem Feld einer Revision des Arbeitsbegriffs: im zeitgenössischen Zwang zu Strategien der Selbstoptimierung (man muss sich ja schließlich gut verkaufen können) geht es um die Freiheit NEIN zu diesen Subjektivierungsformen zu sagen und mit diesem NEIN erfinderisch umzugehen. Das ist weder angenehm, noch besonders erquicklich, ja geradezu schmerzlich und herausfordernd. Aber das ist das JA auch, nur das hierbei (zumeist) die individuelle kreative Praxis mit einkassiert wird.

So differenziert sich innerhalb der Theaterwissenschaft eine eigene Forschungsrichtung heraus, die sich auch nochmals von der Tanzwissenschaft abgrenzt: die Choreographie. Vielleicht ist die Dramaturgie ein Körperdenken spürbar zu machen, dasjenige, als das sich Choreographie vielleicht beschreiben ließe (und sich damit auch vom Diktum der Schrift ablöst und zu einem performativen Schreiben von und in Bewegung wird), die fragile Speerspitze eines starken Konzepts von Performativität, das nicht mehr das hochtrainierte Vermögen des einzelnen Tänzers in den Mittelpunkt rückt, sondern dessen räumliche Bewegung und Einbindung in Anordnungen innerhalb der Performancegruppe. Hier ist das deleuzianischem Vokabular auf fruchtbaren Boden gestoßen und wuchert dort im Reden über die Performances (Assemblage, Multiplicity, a-subjektives Bewusstsein, Bewegungen der Immanenz, Intensitäten und Virtualitäten, etc.).

Das Denken kann sich offensichtlich nicht sein lassen und seine Potenz muss sich durch das Tun erweisen. Diese Haltung zum Denken wird weltweit in Politik, Ökonomie und auch an den Universitäten gehortet und dominiert den Denkstil. Zugleich bietet dieser Denkstil auch Angriffsfläche für wohlplatzierte Ironie, deren Bitterkeit mitunter in tiefe Verachtung oder gar Ekel kippen kann, wenn nicht längst das Herz verblutet ist und man die Kraft einer schnippisch-souveränen Ironie verloren hat. Wer die Chance hat, sollte sich in dieser Hinsicht mal einen Vortrag von Andrew Bowie anhören.

Wie sähe eine Gesellschaft aus, deren Hauptanliegen darin besteht aus schwachen, starke Konstellationen zu machen und sich immer wieder in der Aufgabe sieht, erfindungsreiche Subjektivierungsformen und neue Erfahrungen zu produzieren? Wie können anstelle von Einpanzerungen offene Wunden ausgestellt werden, dem Zwang eine Kultur des Zulassens und des offenen Begegnens weichen? Es ist noch ein langer Weg bis hin zu einer Institutionalisierung des Nicht-Instituationalisierbaren, d.h. einer Einsicht, dass auch demokratische Verfahren der Mehrheitsevaluation irgendwann ausgedient haben werden und an ihre Stelle andere, komprimiertere Kommunikationsformen treten müssen, deren Gestalt uns noch unbekannt ist. Dies heißt nicht einem Aktivitätswahn zu verfallen, um endlich herzustellen, was längst überfällig ist, sondern Praktiken zu erproben, die von einer passiven Urquelle ausgehen und die Quelle ihrer zugrundeliegenden Passivität immer wieder neu erproben. Eine ununterbrochene Differenzbildung ohne Pole verschiedener Disziplinen. Eine intensive Praktik.

Conference: Performance Philsophy. Staging a New Field.
11.-13.04.2013, University of Surrey, Guildford, UK

Quellen

[1] Jean-Luc Nancy: Das Neutrale, die Neutralisierung des Neutralen, in: Blanchot: Das Neutrale. Schriften und Fragmente zur Philosophie, diaphanes, 2010, S. 7.

[2] Franz Kafka: Das Schloß, Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, 2004, S. 9.

[3] Bippus, Elke,  Huber, Jörg,  Nigro, Roberto (Hg.): Ästhetik x Dispositiv. Die Erprobung von Erfahrungsfeldern, Springer, Wien, New York, 2012.

[4] Ebd. S. 9.

Konferenzprogramm „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ (April 2013)





Performative Philosophie?! - Cusanische Fachschaft tagt zusammen mit der AG Künste und Wissenschaften
Ausgangspunkt der Tagung war die Frage, was „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ eigentlich sein kann, der unterschiedlichen Orten wie einer ehemaligen Kantine, einem alten Stadtbad und in Galerien nachgegangen wurde. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Ausstellung. Im Mittelpunkt stand an diesem Abend das Gespräch mit den KünstlerInnen über deren Bezüge zur Philosophie. Es folgten Beiträge aus den Bereichen der antiken Rhetorik sowie der ästhetischen und praktischen Philosophie, u.a. mit Mirjam Schaub, Eva-Maria Gauß, Christoph Horn und Petra Sabisch  In einem Workshop mit Lucia Rainer konnten die Teilnehmenden zudem selbst erproben, wie aus einem eigenen Text eine Lecture Performance werden kann. Einen Abschluss fand die Konferenz mit einer philosophischen Matinée, in der Dieter Mersch über seine zwölfstündige Performance „AGON: Memory Combat“ sprach. Nicht nur anhand dieses Beitrags diskutierte das interdisziplinäre Publikum angeregt über Praktiken der Erkenntnis in den Künsten und Wissenschaften, für die es vielleicht gar keinen neuen Begriff braucht. 
Conference on Performance Philosophy staging performances and an exhibition at Stattbad and a conference with Mirjam Schaub, Petra Sabisch, Dieter Mersch et al. in Berlin Wedding.



 

Konferenzprogramm „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ (April 2013)

Performative Philosophie?! - Cusanische Fachschaft tagt zusammen mit der AG Künste und Wissenschaften

Ausgangspunkt der Tagung war die Frage, was „Performative Philosophie – Denken im Modus der Kunst“ eigentlich sein kann, der unterschiedlichen Orten wie einer ehemaligen Kantine, einem alten Stadtbad und in Galerien nachgegangen wurde. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Ausstellung. Im Mittelpunkt stand an diesem Abend das Gespräch mit den KünstlerInnen über deren Bezüge zur Philosophie. Es folgten Beiträge aus den Bereichen der antiken Rhetorik sowie der ästhetischen und praktischen Philosophie, u.a. mit Mirjam Schaub, Eva-Maria Gauß, Christoph Horn und Petra Sabisch  In einem Workshop mit Lucia Rainer konnten die Teilnehmenden zudem selbst erproben, wie aus einem eigenen Text eine Lecture Performance werden kann. Einen Abschluss fand die Konferenz mit einer philosophischen Matinée, in der Dieter Mersch über seine zwölfstündige Performance „AGON: Memory Combat“ sprach. Nicht nur anhand dieses Beitrags diskutierte das interdisziplinäre Publikum angeregt über Praktiken der Erkenntnis in den Künsten und Wissenschaften, für die es vielleicht gar keinen neuen Begriff braucht. 

Conference on Performance Philosophy staging performances and an exhibition at Stattbad and a conference with Mirjam Schaub, Petra Sabisch, Dieter Mersch et al. in Berlin Wedding.

 

Tagungsnotiz: „Das Subjektive im Objektiven – Kunst als Impulsgeber für die Wissenschaftskommunikation“
Tagungsnotiz: Performance Philosophy. Staging a new field.

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